Die optimale Fliegenschnur zum Fischen wählen

Bei der Fliegenschnur spielen Abstimmung und Qualität eine wichtige Rolle. Fliegenfischer sollten Schnüre testen und nur erstklassiges Angelzubehör kaufen.

Vor allem Einsteiger sind sich oftmals nicht der Bedeutung bewusst, die eine Fliegenschnur beim Fischen einnimmt. Vom Allround-Angeln wissen sie, dass sich eine gute Angelausrüstung besonders durch hochwertige Ruten und Rollen definiert. Doch beim Fliegenfischen kommt noch eine dritte Komponente hinzu, nämlich die Schnur. Im Grunde steht die Schnur sogar an erster Stelle. Denn sollte die Flugleine nichts taugen, helfen die besten Fliegenrute und Fliegenrollen nicht weiter.

Beim Fliegenfischen verkörpert die Schnur das zentrale Element, schließlich wird sie geworfen, um die Fliegen bzw. die eigentlichen Köder zu transportieren und zu präsentieren. Dementsprechend muss eine Schnur erstklassige Wurfeigenschaften aufweisen, die genau auf den jeweiligen Angelstil zugeschnitten sind. Wer beispielsweise durchweg auf den Überkopfwurf setzt, kann mit einer klassischen Keulenschnur sehr gut beraten sein. Wer hingegen auf Spey-Fishing setzt bzw. überwiegend Rollwürfe und entsprechende Varianten durchführt, kann mit einer DT-Fliegenschnur oder Spey-Line deutlich besser dran sein.

Doch nicht nur die Art der Köderpräsentation spielt eine wichtige Rolle. Im Endeffekt muss die Schnur auch auf den Köder bzw. dessen Gewicht abgestimmt sein. Ein mittelgroßer Hechtstreamer lässt sich an einer leichten 3er Schnur mit Sicherheit nicht werfen bzw. nur außerordentlich schlecht transportieren. Ebenso macht es keinen Sinn, auf schwere Fliegenschnüre zu setzen, wenn man mit kleinen Nymphen auf Äschen oder Forellen angelt.

Die Schnurklassen dienen zur groben Orientierung

So eben wurde auf die 3er Schnur verwiesen. Im Bereich des Fliegenfischens sind die Schnüre in so genannte Schnurklassen eingeteilt. Es gibt insgesamt 16 Klassen (die auch häufig als AFTMA Klasse bezeichnet werden), die bei Klasse 0 beginnen und bis einschließlich Klasse 15 reichen. Hier gilt: Je kleiner die Klasse, desto sensibler die Fischerei. Mit Schnüren der Klassen 0 bis einschließlich 3 wird sehr leicht gefischt, was jedoch nur an wenigen Gewässern möglich ist. So richtig los geht es erst ab den Klassen 3 bis 4. Mit dieser leichten Fischerei können beispielsweise Äschen, Döbel und mittelgroße Forellen gedrillt werden. Die Schnurklasse 5 gilt als Standardausrüstung zum Fischen mit Nymphen und Trockenfliegen auf Forellen, Äschen etc., weshalb auch häufig von der so genannten Allround-Klasse gesprochen wird.

Wer größeren Raubfischen nachstellen möchte, muss deutlich schwerere Schnüre wählen. Ab Klasse 8 geht es los mit dem Angeln auf Hecht oder Zander. Im Grunde sind die Grenzen relativ fließend. Fakt ist: Man macht vom Zielfisch abhängig, welche Schnur gewählt wird. Wer sich hier unsicher ist, sollte sich beim Fachmann im Angelladen erkundigen oder auch online nach Rat suchen, beispielsweise indem man sich Empfehlungen anderer Fliegenfischer in Foren oder Blogs einholt.

Übrigens entscheidet die Schnurklasse nur bedingt über die Tragkraft. Viele Neulinge gehen davon aus, dass die Schnurklasse oder AFTMA Klasse die Tragkraft vorgibt. Zwar gilt auch hier, dass stärkerer Schnüre auch mehr Tragkraft aufweisen, doch die Klassifizierung dient einem vollkommen anderen Grund. Sie gibt an, welches Gewicht die Schnur hat. Hier gilt: Je schwerer die Schnur, desto schwerer dürfen die Fliegen bzw. Köder sein. Eine Schnur der Klasse #4 würde beispielsweise nicht die erforderliche Masse mitbringen, um einen großen Streamer zu transportieren.

Fliegenschnur und Fliegenrute müssen zusammenpassen

Damit sich die Schnur gut werfen lässt, muss sie außerdem in Verbindung mit einer passenden Rute eingesetzt werden. Es wäre fatal, eine 8er Schnur an einer leichten Bachrute der Klasse #3 zu werfen. Die Schnur würde zu viel Masse aufweisen, sodass bei einem ordentlichen Schwung ein Rutenbruch auftreten kann. Leichte Schnüre lassen sich an schweren Ruten ebenfalls nicht gut werfen: Die Ruten laden sich nicht ausreichend auf, wodurch die Wurfweite maßgeblich verkürzt wird.

Ein gewisser Trend ist das so genannte Überladen. Einige Angler kaufen sich beispielsweise eine #5er Schnur und fischen diese an der #4er Rute. Das Ziel ist eine ordentliche Aufladung der Rute, um mehr Wurfweite zu erzielen. Allerdings gilt es in solchen Fällen sehr gut aufzupassen und am besten Schnur und Rute erst einmal zur Probe zu werfen, um somit herauszufinden, ob man die erhöhte Belastung der Fliegenrute auch tatsächlich zutrauen kann.

Nur hochwertige Schnüre kaufen

Die Auswahl an Schnüren, die man im Angelhandel kaufen kann, ist heutzutage enorm groß. Unzählige Schnüre wie DT-Schnüre, WF-Schnüre, Schusskopfsysteme, Spey-Schnüre etc. stehen zum Kauf bereit. Dementsprechend wird einem die Auswahl nicht unbedingt leicht gemacht. Daher ist es empfehlenswert, sich ausgiebig zu informieren, beispielsweise indem man die Meinungen anderer Fliegenfischer einholt. Am besten ist es jedoch, wenn man Schnüre zur Probe werfen kann.

Im Allgemeinen ist es ratsam, bewusst Qualität zu kaufen. Gute Fliegenschnüre sind nicht billig, aber dafür lohnt sich der Kauf umso mehr. Von einer billigen Schnur, die 20 oder 30 Euro kostet, sollte man nicht allzu viel erwarten. Zwar finden sich auch im unteren Preissegment einige Ausnahmen wieder, generell wird jedoch dazu geraten, bewusst Markenschnüre zu kaufen, selbst wenn diese ihre 60 oder 70 Euro kosten.

Fliegenschnüre mit einer Schlaufe versehen

Im Grunde gibt es noch unzählige Anmerkungen zu diesem Thema zu machen, wie beispielsweise die Auswahl von Backing, das Binden der richtigen Knoten oder auch das Entdrallen, Überwintern oder Entfetten. Allerdings würden diese Themen den Umfang des Beitrags sprengen, weshalb nur noch ein letzter Punkt, nämlich die Fliegenschlaufe angesprochen werden soll.

Die Schlaufe wird am Ende der Schnur angebracht, um das Fliegenvorfach komfortabel einhängen und ggf. auch schnell wechseln zu können. Früher wurden die Schlaufen oftmals von Hand geknotet. Dies ist auch heute möglich, doch im Allgemeinen ist es besser, sich für eine Loop on Junction zu entscheiden. Dies ist eine aufsteckbare Schlaufe, die sich ganz einfach montieren lässt und auch sehr gut hält. Die heutigen Systeme sind zu empfehlen, so lange man auf Qualität setzt.